Slystone
Wischen
Ich stelle mir die Frage warum es ein haushälterisches Verbot gibt auf frisch gewischten Boden zu treten. Es geht wohl um die Bewahrung der eben hergestellten Sauberkeit. Aber macht es einen wirklichen Unterschied ob man nun auf nassen Boden tritt oder auf den schon getrockneten und ist dieser Unterschied groß genug um die peinliche Strenge zu rechtfertigen mit der man sich verbietet einen Kaffee zu kochen bloß weil der Boden in der Küche noch nass ist? Kann diese unsichere Annahme über einen nicht durchschauten Vorgang erklären warum wir auf trockene Inseln warten die wir dann, wie auf steine in einem Fluss tretend, nutzen um die gesäuberte Fläche doch schon etwas früher als erlaubt zu betreten?
Ich denke es liegt eher ein grundsätzliches Missverständnis über Sauberkeit zu Grunde, genaugenommen eher zwei: Das erste und trivialere ist das Hemmnis was jedesmal nach der Reinigung von Orten auf uns wirkt, das wir sie jetzt, wo sie doch so schön sauber sind nicht schon gleich wieder beschmutzen wollen. Der Glanz der nassen Oberfläche wirkt dabei verstärkend auf den Eindruck von Sauberkeit und lässt uns wie vor einem Heiligenschein zurückweichen. Dieses Missverständnis gegenüber der Entropie, die ja so oder so beginnt alles wieder schmutzig werden zu lassen und zwar ab dem Zeitpunkt der Reinigung und nicht erst wenn wir zum ersten mal gereinigtes betreten ist das erste.
Dies gilt aber für alle gereinigten Orte und nur der Heiligenschein kann nicht erklären warum es umso schwerer fällt einen frisch gewischten Boden zu betreten als einen eben gesaugten Teppich. Vielmehr scheint mir die Besonderheit des gewischten Bodens darin zu bestehen das es einem Zweiten Missverständnis, welches dem ersten auch zu Grunde liegt, Vorlauf gibt. Die Sauberkeit wird in der Erscheinung des Glanzes als etwas Vorhandenes vorgestellt und nicht, was eher zutrifft als die Abwesenheit von Schmutz. Man glaubt man habe sie Aufgetragen und müsse nun vorsichtig sein sie nicht wieder Abzutragen, was so aussehen würde das man mit den Füssen ihr Erscheinungsmerkmal, den Glanz, wieder wegwischt wo man ihn vorher hingewischt hat. Dabei ist das umgekehrte der Fall: man hat Schmutz abgetragen und der Glanz ist nur ein Nebeneffekt davon.
Wie dem auch sei, ich glaube die Küche ist Trocken und ich kann mir endlich einen Kaffee kochen.

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parade, Mittwoch, 23. April 2008, 15:48
So kann man sich natürlich auch die Wartezeit vertreiben. Ob das aber ein Missverständnis ist, die Abwesenheit von Schmutz Sauberkeit zu nennen?!
Ich frag mich allerdings, weshalb man so gerne mit infantiler Begeisterung, Neil Amstrong gleich, einen kleinen Schritt for man, aber ein riesigen Schritt for mankind in eine unberührte Fläche frischen Schnees setzt, dasselbe bei frisch gewischtem Boden aber zur blanken Horrorvision verkommt. Das hat doch noch was mit Züchtigung zu tun.

sly_von_voigt, Mittwoch, 23. April 2008, 16:12
du hast mich völlig falsch verstanden FAIL. Nicht die Abwesenheit von Schmutz als Sauberkeit zu denken ist das eigenartige sonder die Sauberkeit selbst als Anwesenheit zu denken. Du musst schon richtig lesen und ich hoffe dieser Grobe Fehler ist dir nur unterlaufen, weil ich dich gezwungen habe das hier zu lesen und zu kommentieren. Sollte dir diese Fahrlässigkeit auch bei anderen Texten unterlaufen, dann gnade dir Gott bzw. niemand.

Desweiteren ging es mir ganz und garnicht um die vertreibung meiner Zeit, tatsächlich stand der erwähnte Kaffee bereits vor mir als ich den Text schrieb. Es war als reines Stilmittel gedacht ihn am Ende noch einmal zu erwähnen, da ich die Erfahrung gemacht habe das nichts besser Ködert als eine Anspielung auf eben jenes populäre Suchtmittel. Die Sicherheit mit der du in deinem Kommentar das Urteil der Belanglossigkeit über diesen Beitrag exekutierst spricht von einem unwillen mir den Glaube zu schenken das sich denken lohnt. Denn Kraft meiner Vernunft hatte ich ja bereits erkannt das es sich um ein lächerliches Verdikt handelt und ich so schon auftreten kann, wo immer ich will. Die Reflexion darüber erschien mir nur wertvoll genug sie aufzuschreiben. Das ich den Blog anstatt mein Buch gewählt habe ist reine Willkür.

Also, parade ein völlig verfehltes Kommentar. Try again